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Urtikaria

ist ein Krankheitsbild, das ähnlich wie Brennnesseln und Insekten­stichen mit juckenden, brennenden Quaddeln einhergeht. Das Phänomen wurde schon von Hippokrates (4.Jh. v.Chr.) beschrieben. Im Laufe der Geschichte wechselte die Namensge­bung von Uredo = Brennen, Stechen (Plinius 1.Jh) über Essera = arab. Erhebung (Hali Ben Abbas 10.Jh.) zu Nesselsucht (Valentini 1690) und zuletzt Urticaria (Frank 1792). Im 16. Jahrhundert wurde erstmals ein Zusammenhang mit Nahrungsmitteleiweiß hergestellt. Es gab jedoch auch eine Toxintheorie, eine meteorologische Theorie und viele andere. Durch die Entdeckung der Mastzelle (Paul Ehrlich 1879), des Histamins (Dale u. Wardlaw 1910) und des IgE (Ishizaka 1966) entstand das moderne Verständnis des Krankheitsbildes.

 

Vorkommen

Patientengruppe

Vorkommen in %

Allgemeinbevölkerung 0,05% - 0,5%
Kinder und Jugendliche 2,1% - 6,7%
Dermatologische Patienten 0,8% - 4,4%
Allergische Patienten 3,0% - 34,5%

Allergische Kinder

4,55 - 16,3%

Klassifikation

Klassifikation der Urtikaria nach Dauer, Frequenz und Ursache

 

Formen

Dauer

Frequenz

Akute Urtikaria < 6 Wochen

1. Akute kontinuierliche Urtikaria

2. Akute intermittierende Urtikaria

täglich

Wochen -

Monate

Chronische Urtikaria > 6 Wochen

1. Chronische kontinuierliche Urtikaria

2. Chronische intermittierende Urtikaria

täglich

Wochen -

Monate
Weiter Formen der Urtikaria
1. Cholinergische Urtikaria

2. Physikalische Urtikaria

3. Kontakturtikaria

4. Urtikaria-Vaskulitis

5. Urticaria pigmentosa (Mastozytose)

Therapie

1. Diagnostik

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Ausführliches Labor (C1 INH, Helicobacter - Ak u.a.)
  • Gesamt-IgE, RAST
  • Autologer Serumtest
  • Mikrobiologische Untersuchungen
  • Stuhluntersuchungen (Pilze, Wurmeier)
  • Kälte-, Wärme-, Drucktestungen
  • bei Verdacht Focussuche

2. Lokaltherapie

  • juckreizstillende, kühlende Externa
  • selten Steroide

3. Systemisch

  • Antihistaminika
  • andere Medikamente bei Bedarf

4. Ernährungsberatung

  • Diagnostische Diät: Pseudoallergenarme Kost
  • mit anschließenden Verträglichkeitstests (Provokationen, Kostaufbau)
  • Aufbauend auf die Ergebnisse der diagnostischen Diät: Individuell maßgeschneiderte Kost

5.Psychologische Betreuung

  • Einzelgespräche
  • Gruppengespräche
  • Entspannungstechniken